Bioarchäologie

Methoden und Möglichkeiten
- der Prähistorischen Anthropologie
- der Archäozoologie
- der Archäobotanik

Lebensrekonstruktion eines schnurkeramischen Hirten. (Ch. v. Elm – Die Zeichnerei)

Der erst vor wenigen Jahrzehnten eingeführte Begriff „Bioarchäologie” beschreibt einen spezifischen interdisziplinären Forschungsschwerpunkt in der Archäologie.
Er soll die Synthese von Inhalten der beiden Wissenschaften Biologie (βιός gr. „Leben”, also der Lehre von den Lebewesen) und Archäologie (αρχαίος gr. „altertümlich”, also der Altertumskunde) zum Ausdruck bringen.

Während sich die archäologischen Disziplinen traditionell mit den kulturellen Hinterlassenschaften – also der Sachkultur – historischer und prähistorischer Menschen beschäftigen, interessiert sich die Bioarchäologie für den Organismus Mensch selbst sowie für sein ökologisches Umfeld und die entsprechenden Interaktionen.

Die Bioarchäologie wird ihrerseits in drei Bereiche eingeteilt:

  • Die Prähistorische Anthropologie untersucht menschliche Überreste. Ernährungssituation, Arbeitsbelastung, Verwandtschaftsverhältnisse, Gesundheitszustand, und demografische Strukturen sind nur einige der Themen, die durch die Prähistorische Anthropologie umfasst werden.
  • Die Archäozoologie analysiert tierische Überbleibsel. Die Archäozoologie geht auf Fragen zum Anteil der Jagdbeute in der Ernährung einer menschlichen Gruppe ein. Sie erforscht die Domestikation und Zuchtwahl von Haustieren, Tierimporte sowie die Nutzung von Produkten wie Fleisch, Milch, Wolle und Arbeitskraft. Für die Rekonstruktion des Ökotops früherer menschlicher Populationen spielt sie eine wichtige Rolle.
  • Die Archäobotanik beschäftigt sich mit Resten pflanzlicher Herkunft. Die Archäobotanik dient nicht nur dazu, die Verwendung verschiedener Nutzpflanzen durch frühere Bevölkerungen zu erschließen, sondern kann vor allem sehr präzise Hinweise zur Ökologie der Siedlungsumgebung, der Landschaftsumgestaltung und Raumnutzung durch den Menschen liefern.

Da für Anthropologie und Zoologie aufgrund der Erhaltungsbedingungen überwiegend Knochenmaterial von Mensch und Tier als Quellen vorliegen, werden diese beiden Fachrichtungen auch als Osteoarchäologie (οστεόν gr. „Knochen“) bezeichnet. 

Aufgabe der Bioarchäologie ist es also, anhand von Knochen und Pflanzenresten frühere Lebensweisen und Lebensbedingungen zu rekonstruieren. Damit tragen die Osteoarchäologien und die Archäobotanik wesentlich zur Erforschung und Beschreibung menschlicher Kulturen bei.